150 Jahre Wassersport Das Wasser und die Flüsse waren und sind immer noch ein wichtiger Transportweg für Waren und Menschen. Mit grossen Schiffen werden heute über 7 Mio Tonnen Waren vom Meer nach Basel und zurück transportiert, was 40% vom Schweizer Warentransport entspricht. Früher waren die Flosse oder Schiffe kleiner, damit diese von Hand oder mit Pferden am Ufer entlang gezogen werden konnten. Im 12. Jahrhundert schlossen sich die Flösser 
in Zünften zusammen und kontrollierten die Wasserwege. Neben dem Warentransport wurden 
die Flösser auch zur Wasserrettung und als Feuerwehrmänner eingesetzt. Um 1850 formierten sich bei der Schweizer Armee aus den Flössern die Pontoniere, welche für die Überquerung der Flüsse mit Schiffen und beim Brückenbau zuständig waren. Die Flösser, Fischer und Schiffsbauer gründeten ab 1869 die ersten Wasserfahrvereine, um Wettkämpfe ohne militärischen Hintergrund (Pontoniere) mit Weidlingen durchzuführen. Der Limmat Club Zürich führt heute noch alle 10 Jahre die Hirsebreifahrt von Zürich nach Strassburg durch, welche bereits vor 560 Jahren ihren Ursprung hatte.
Das Sportgerät Der Weidling ist ein Flachboot, welches in dieser Art bereits von den Kelten vor über 5000 Jahren gebaut wurde. Diese Schiffsart hat wenig Tiefgang, kann dadurch in seichtem Gewässer gut genutzt werden (Fischerweidling) und kann gut an Land gezogen werden. Früher wurden diese Sportgeräte aus Holz gefertig, heute hauptsächlich aus Kunststoff. Ein Weidling ist 10 m lang und ca. 320 kg schwer. Zum Fahrgeschirr gehört ein Stachel, ein Ruder und 
ein Rudernagel. Ein Stachel ist eine flache Holzstange, welche am unteren Ende zwei Eisenspitzen hat. Das Ruder besteht aus einem Rundholz und einem Ruderblatt und hat eine Länge von ca. 3 Metern. Der Rudernagel ist ein Holzkreuz der in eine Halterung gesteckt wird, damit das Ruder kraftvoll dagegen gedrückt werden kann.
Wie fährt man «Wasser»? Der Weidling kann alleine oder zu zweit gefahren werden. Zur Fortbewegung wird der Weidling einerseits am Ufer entlang mit dem Stachel am Flussgrund gegen die Strömung abgestossen. Andererseits wird zum Überqueren des Flusses, zur Flussabfahrt oder auf einem See stehend wie ein Gondoliere in Venedig gerudert. Dabei wird das Ruder zum Halten einfach 
in das Kreuz gelegt, so ist der Ruderer flexibel, 
um schnelle Manöver ausführen zu können. Der Steuermann steht immer hinten links, der Vordermann vorne rechts. Wasserfahren ist ein gesunder Ganzkörpersport, ganz selten kommen Sportverletzungen vor. Durch den Wechsel zwischen dem Stachel und dem Ruder werden verschiedene Muskelgruppen trainiert und eine Bewegungsmonotonie ist ausgeschlossen. Stacheln ist zwar einseitig, weil aber am linken und rechten Ufer gefahren undtrainiert wird, ist auch da der muskuläre Ausgleich gewährleistet. Weil der Weidling entweder durch Wellen oder Gewichtsverlagerungen ständig in Bewegung ist, wird das koordinative Gleichgewicht gefordert und trainiert. Wasserfahren ist zudem umwelt- und ressourcenschonend sowie ein ruhiger Sport, welcher gemütlich auch im Einklang mit der Natur mit viel Musse und Romantik ausgeführt werden kann.
Der Wettkampf Pro Jahr werden während des Sommers 5 bis 10 Wettkämpfe auf verschiedenen Wettkampfstrecken (Parcours) in der ganzen Deutschschweiz durchgeführt. Die Wettfahren werden entweder als Einzelfahren 
oder als Paarfahren ausgetragen. Damit sich alle entsprechend ihren körperlichen Fähigkeiten fair messen können, starten die Wasserfahrer in 7 verschiedenen Alterskategorien. Die Streckenlänge ist von der Wasserströmung abhängig. Die Wettkampfzeit dauert für die schnellsten Fahrer je nach Kategorie 
3 bis 4 Minuten. Darum haben die jüngeren Fahrer eine weniger lange und eine einfachere Wettkampfstrecke zu absolvieren. Der Parcours oder die Wettkampfstrecke umfasst immer folgende Teilabschnitte: Start mit Stacheln am Ufer, Ausfahren und Wechseln zum Rudern, mit dem Weidling um Bojen oder hängende Stangen (Bengel) fahren und zwischen zwei Bojen (Flossgasse) hindurchfahren. Dann eine punktgenaue Landung am Ufer im Bereich von 4 m, sowie mit Stacheln bis zum Ziel. Die Fahrzeit der ganzen Strecke wird gemessen. Wenn eine Boje oder Bengel berührt, 
über- oder falsch umfahren wird, gibt es Zeitzuschläge von 5 bis 15 Sekunden. Wo sind die Wasserfahrer? Die Sportart Wasserfahren mit Weidlingen ist ab 1869 in denjenigen Regionen entstanden, wo früher an grossen Flüssen wichtige Handelsplätze waren und Flösser wohnten, sprich in Basel, Bern und Zürich. Später wurden auch Wasserfahrvereine in ländlichen Gebieten entlang der Aare (Aarau, Aarburg, Rupperswil), der Limmat (Baden, Schlieren), der Reuss (Bremgarten) und dem Rhein (Möhlin, Rheinfelden, Muttenz, Birsfelden) gegründet. Heute sind 30 Vereine im Schweizer Wasserfahrverband SWV zusammengeschlossen und organisiert, welcher 
in den 1920er Jahren gegründet wurde. In der ganzen Schweiz sind heute ca. 750 Wasserfahrer lizenziert, darunter auch einige Wasserfahrerinnen, welche sich in einer eigenen Kategorie «Frauen» bei Wettfahren messen. Der Verband SWV organisiert jedes Jahr ein 11-tägiges Jugendlager in Brunnen, bei welchem neben der Kameradschaft das Wasserfahren vertieft wird 
und die Motorbootausbildung absolviert werden kann. Dies als gute Grundlage, um für die Rekrutenschule 
als Pontonier ausgehoben zu werden
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